Portugal
Ein Land mit Vielfalt
Landschaftliche Variationen auf engstem Raum: raue Küste, weiße Sandstrände, schroffe Berge, sanfte Hügel und Ebenen, und immer wieder Weinberge. Kleine Bergdörfchen, alte Klosteranlagen, Unesco-Weltkulturerbe und Metropolen. Maurische und europäische Einflüsse. Moderne und Tradition. Das ist Portugal. So vielfältig wie Landschaft und Kultur, so vielfältig sind die autochthonen Rebsorten. Kaum ein Land bietet eine solche Auswahl an roten und weißen Sorten. Stolz sind sie, die Portugiesen, auf ihre über 340 zugelassene Rebsorten. Kein Wunder, denn immerhin gute drei Prozent der Landesfläche, rund 240.000 Hektar, sind mit Reben bepflanzt. In Deutschland wird Wein auf lediglich 0,4 Prozent der Landesfläche angebaut..
Die Portugiesen lieben Wein, weshalb sie mit ca. 46 Liter Wein pro Jahr beim Pro Kopf-Verbrauch weit oben auf der Rangliste stehen. Dagegen sind die Erträge im Weinbau mit 30 hl/ha im Vergleich niedrig.
Und: Sie lieben ihren eigenen Wein, die Portugiesen, weshalb sich bis heute die autochthonen Rebsorten weit verbreitet halten und internationale Rebsorten nur langsam Einzug finden.
Von Gegensätzen und Abwechslung sind die Weine geprägt. Im Landesinneren herrschen neben Portwein oft kraftvolle, tanninreiche Rotweine vor, während aus dem kühlen atlantischen Klima des Nordens leichte, säurebetonte Weißweine wie der Vinho Verde kommen.

Die bei uns bekanntesten portugiesischen Sorten sind bei den roten Touriga Nacional, Touriga Franca, Aragonez (in Spanien als Tempranillo bekannt), Baga und Castelão und bei den weißen Arinto und Alvarinho (in Spanien als Albariño bekannt), letztere ist vorwiegend im Vinho Verde Gebiet zu finden. Dass die Namen vieler einheimischer Rebsorten, wie zum Beispiel Alfrocheiro, Fernão Pires und Roupeiro, für Deutsche fast unaussprechlich sind, macht sie um so interessanter. Portugiesische Weine sind hierzulande stark im Kommen. Die Einfuhr steigt seit Jahren kontinuierlich um rund zehn bis zwölf Prozent pro Jahr. Bei der Weineinfuhr in Deutschland liegt Portugal, gemessen am Wert, derzeit auf Rang neun.
Üblicherweise verschneiden die Winzer die Weine zu landestypischen Cuvées. Doch in den letzten Jahren kam auch der reinsortige Ausbau „in Mode“. Moderne und Tradition verbinden sich in Portugal auch beim Wein. Viele Winzer stampfen die Trauben auch heute noch in traditionellen Lagares mit den Füßen, um den Saft auf schonende Weise zu gewinnen. Ob als Cuvée oder reinsortig ausgebaut: Die Weine überzeugen mit einem unvergesslichen, individuellen Geschmack. Viele Auszeichnungen bei internationalen Wein-Wettbewerben erhielten die portugiesischen Winzer sowohl für ihre herausragenden Weine, als auch für die kreativen Weinetiketten. Ob das an den geschmacklichen Fähigkeiten der aufstrebenden weiblichen Kellermeisterinnen und Winzerinnen liegt, bleibt ein Geheimnis. Der Frauenanteil bei den Absolventen des Studiengangs Önologie in Vila Real beträgt auf jeden Fall über 60 Prozent.

Weinbauregionen Portugals:
Es gibt heute in Portugal elf Weinbauregionen, denen je eine Landweinregion (Vinho Regional, entsprechend den französischen Vin de Pays) zugeordnet ist. Im Frühsommer 2009 wurden zwei der elf Regionen umbenannt um mehr Klarheit zu schaffen: Vinho Regional Estremadura wurde zu Vinho Regional Lisboa und Vinho Regional Ribatejano zu Vinho Regional Tejo. Die weiteren VR-Regionen lauten von Nord nach Süd: Minho, Transmontano, Duriense, Beiras, Alentejano, Terras do Sado, Algarve, Terras Madeirense und Açores.
Innerhalb der elf Regionen liegen 29 Qualitätswein-Anbaugebieten, davon 25 mit DOC-Status und vier mit IPR-Status. DOC bedeutet in Portugal Denominação de Origem Controlada und entspricht dem spanischen DOC oder dem französischen AOC-System. IPR (Indicação de Proveniencia Regulamentada) entspricht den französischen VDQS-Weinen. Nicht qualifizierte Weine kommen als Vinho de Mesa (Tafelwein) in den Markt.
Geschichte:
Phönizier, Griechen und Römer brachten die Reben und den Weinbau nach Portugal, der während der maurischen Herrschaft auf bescheidenem Niveau fortgeführt wurde. Im 12. Jahrhundert gründete der Zisterzienser-Orden in Portugal mehr als 100 Klöster und beeinflusste den Weinbau nachhaltig. König Dom Dinis (dt. König Dionysius, der sechste König von Portugal aus dem Hause Burgund), genannt der „Bauernkönig“, förderte die Landwirtschaft und den Weinbau so entscheidend, dass mit den Erträgen eine Handelsflotte aufgebaut werden konnte und damit die Basis für den Aufstieg zur Weltmacht geschaffen wurde.
Nach der Schlacht von Aljubarrota/Alcobaça 1385 und dem Vertrag von Windsor (1386) entstand ein florierender Weinhandel mit Großbritannien. Unter Heinrich dem Seefahrer wurden auf der wiederentdeckten Insel Madeira Muskateller- und Malvasia-Trauben angepflanzt. Nach der Erhebung von hohen Zöllen auf französische Weine durch William den III. 1693 entdeckten die englischen Weinhändler den portugiesischen Rotwein als Alternative. Der Portwein und der Madeira wurden dabei die Exportschlager. Portugal erließ 1756 das weltweit erste Gesetz zur Begrenzung eines Anbaugebiets (das Portwein-Gebiet am Douro). Die Zerstörung der Anbaugebiete durch Mehltau und Reblaus warf die Weinproduktion zurück, bis um 1930 ein Wiederaufbau durch zahlreiche Winzergenossenschaften begann. Die Nelkenrevolution und die Öffnung gegenüber der Europäischen Gemeinschaft sorgten endgültig für eine Renaissance der portugiesischen Weinbaukultur. Das international bekannteste Produkt war lange der als Massenwein produzierte Mateus Rosé, dem mit großer Vielfalt individuell erzeugte Weine entgegenstehen.
Portugal verfügt in Europa vermutlich über die größte Varietät authochtoner weißer und roter Rebsorten. Mit dem Colares verfügt man außerdem über einen der überaus seltenen Weinsorten, die noch mit echten europäischen Reben (Ramisco) im Sand nördlich von Sintra in Colares nahe der Atlantikküste angebaut werden. Die Reblaus, die fast alle anderen europäischen Reben im 19. Jahrhundert zerstört hat, konnte im Sand nicht überleben.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Weinbau_in_Portugal aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Die Abschnitte „Ein Land mit Vielfalt“ und „Weinbauregionen Portugals“ wurde von Bettina Meister, Stuttgart, verfasst, die mit ihrer Agentur meister-plan für die Pressearbeit des portugiesischen Weinbauverbands ViniPortugal verantwortlich zeichnet.